Herzenspfade! Wenn die Welt am Morgen noch in Ordnung ist!

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Herzenspfade! Wenn die Welt am Morgen noch in Ordnung ist!

Die Sonne scheint und ein neuer Tag erwacht. Es ist der Tag vor Silvester und du weißt, dass noch einiges zu erledigen ist. Der erste Weg geht aber wie jeden Tag zuerst zu meiner lieben Hundefreundin Safi, die mich mit ihren Küssen begrüßt, so wie an jedem Tag. Wir machen uns auf den Weg, wollen Frühstück beim Bäcker holen, um dann gemeinsam Kaffee zu trinken und eine Kleinigkeit zu essen. Jeder natürlich seines, aber doch gemeinsam. Nach dem Frühstück habe ich noch das ein oder andere zu erledigen, doch Safi weicht nicht von meiner Seite. Sie mag es, wenn die Sonne scheint und sie ist dann auch meist viel aktiver. Da möchte sie raus und nachdem sie mich eine Weile so intensiv anblickt, so nach dem Motto: »Komm, lass uns das Leben genießen«, gebe ich mich geschlagen und ihrem Wunsch nach. Warum auch nicht, ich habe Urlaub und so marschieren wir los. Herzenspfade! Wenn die Welt am Morgen noch in Ordnung ist! Der Himmel ist strahlend blau und ich mache noch ein Foto von meiner Süßen, obwohl sie das irgendwie überhaupt nicht mehr mag. Nichts ist so wichtig, als Zeit mit sich und seinen Liebsten zu verbringen, und ich bin wirklich froh, dass ich unterwegs bin. Ich liebe es, diese langen Wege gemeinsam, weil es mir immer wieder bewusst macht, wie wunderbar mein Leben ist. Ich kann es so gestalten, wie es möchte, weil ich mir den Freiraum immer und zu jeder Zeit nehmen kann. Ich habe eine Arbeit die ich liebe, und ein Leben, das wirklich sehr gut ist. Es passt alles, meine Welt ist heil und genauso fühle ich es. Nur noch ein paar Kleinigkeiten einkaufen und dann die Feiertage genießen. Ich liebe diese Zeit zwischen Weihnachten und Heilig Drei König, Safi ist aufgeweckt, aufgedreht, fast so, als würde sie jede Sekunde dieses Tages auskosten wollen. Jetzt, im Nachhinein kommt es mir so vor, als wusste sie bereits, dass es der letzte Tag sein wird, den sie so unbeschwert und unbekümmert verbringen kann. Nur ich, ich ahne nichts. Ich registriere zwar ihren intensiven Blick und auch den Wunsch, dass ich mich ihr ganz widmen soll, doch ist es mir noch wichtig, ihre Jahresbotschaft für 2017 zu übermitteln, was ich dann auch tue. Sie fordert mich unentwegt, aber nicht nur mich, sondern auch meinen Mann. Ständig fordert sie Aufmerksamkeit. Wenn ich so darüber nachdenke, dann war das schon sehr auffällig, doch wie so oft in unserem Leben, neben wir diese Kleinigkeiten nicht wirklich ernst. Es ist das drumherum, was oft viel wichtiger ist. Irgendwann gebe ich nach und wir fahren mit einer Freundin gemeinsam an einen wunderschönen Ort zum Spazierengehen, auch weil die Menschen langsam damit beginnen, Silvesterknaller zu werfen und unsere Hunde hier wirklich sehr empfindlich sind. Die Natur ist traumhaft und die Sonne wirft langsam ihre Schatten. Unsere Hunde toben und haben so richtig Spaß. Safi spielt und rennt und ist so glücklich. Ich sehe meine Süße, wie sie lachend auf mich zugelaufen kommt, so unbeschwert und voller Freude, dass mir das Herz aufgeht, weil mich diese Momente einfach glücklich machen. Dieses Bild hat sich in mein Herz geprägt und es ist auch heute noch das Bild, das ich habe, wenn ich an diesen Tag zurückdenke. Reinste und pure Freude, wahres Glück. Als wir wieder Zuhause sind und sie gefressen hatte, hat sie immer noch die volle Aufmerksamkeit gesucht. Ich weiß gar nicht, ob sie an diesem Tag überhaupt einmal geschlafen hat. Ich bin sicher, dass sie wusste, was kommt. Nur ich nicht. Ich habe immer noch nichts gespürt. Ich war damit beschäftigt, in mein Büro zu gehen und ein Rauhnacht Ritual durchzuführen. Kurze Zeit später meinte mein Mann, dass mit Safi etwas nicht stimmt. Als ich sie sehe, kann ich es überhaupt nicht glauben, wo ist der lustige und aktive Hund, den ich vor einer halben Stunde verlassen hatte. Sie wirkte blass und der Blick war anders, komisch. Nach Überprüfung der Schleimhäute weiß ich, dass ich handeln muss, sie sind blass. Ich weiß, dass das nicht lustig ist und oft auch was Schlimmes bedeuten kann. Der Kreislauf ist total im Keller und sie schafft kaum den Weg zum Auto, so kaputt ist sie. Ich überlege noch, was es sein könnte, eine Infektion oder Ähnliches? Bin fest davon überzeugt, dass eine Infusion helfen wird, den Kreislauf in Schwung zu bringen. Unsere Blicke treffen sich im Rückspiegel und ich höre noch, wie sie sagt: »Es ist ernst. Es geht mir nicht gut.« Doch auch jetzt bin ich noch fest davon überzeugt, dass es nicht so dramatisch wird, weil ich es einfach nicht spüren möchte. Meine Tierärztin sieht das anders. Sie ist in totaler Sorge und meint noch zu mir: »Das gefällt mir nicht. Ich denke, es ist ein Milztumor, der in die Bauchhöhle blutet.«

Schon wieder?! Sollte das schon wieder mein Schicksal sein, das hatten wir doch schon. Während sie den Ultraschall macht und nach der Ursache sucht, fange ich an zu beten. Ich bete, zu den Engeln und zu Gott und bitte um Hilfe, dass es nicht so schlimm ist. Sie findet nichts! Kein Blut, keinen Tumor, auch die Blutwerte sind okay. Gott sei Dank! Ein Stein fällt von meinem Herzen, ich bin einfach so froh. Dennoch sucht sie weiter, denn der Kreislauf ist alles andere als normal. Sogar die Infusion bringt keine wirkliche Besserung, so wird geröntgt und nichts gefunden, ein Herzultraschall gemacht, doch auch hier nichts. Die besorgten Worte meiner Tierärztin lassen dennoch schlimmes vermuten, denn sie meint, wenn es in zwei Stunden nicht besser sei, müssen wir in die Klinik fahren. Zuhause möchte Safi ihre Ruhe haben, sie verkriecht sich, aber sie ist ruhig und schläft. Irgendwann ist Schlafenszeit und Safi möchte mit ins Bett. Das ist ungewöhnlich, denn eigentlich ist ihr das zur warm. Ich liege neben ihr, halte sie im Arm und lausche auf ihre Atmung. Sie ist sehr flach und ein paarmal denke ich, sie ist gegangen, weil ich die Atmung kaum noch fühlen kann. Am nächsten Morgen steht sie nicht auf und ich weiß, wir müssen in die Klinik. Schon während der Fahrt nach München weiß ich, dass wir ohne Hund wieder heimkommen. Jetzt spüre ich es, ich weiß es, weil ich so sehr mit ihr verbunden bin. Trotzdem sagt sie immer wieder, es ist alles gut. Wie ist das gemeint? Kann ich noch Hoffnung haben? Nein, für mich ist es nicht gut. Die Menschen in der Tierklinik sind sehr lieb und nett und wir durchlaufen das gleiche Prozedere noch einmal, wie den Abend zuvor. Blutwerte, sie haben sich verschlechtert, Ultraschall zeigt Flüssigkeit in der Bauchhöhle, nach der Injektion sehen wir Blut! Doch niemand sieht, woher es kommt, also bleibt nur eine Möglichkeit. Aufmachen, da der Hund sonst innerlich verblutet. Stunden vergehen während wir auf die Ärztin warten die Safi operieren möchte. Und immer wieder ihre Worte: »Alles ist gut!« Endlich ist es soweit, wir können sie in den OP bringen, und dann heißt es abwarten. Kaum Zuhause der Anruf aus der Klinik. Sie wissen jetzt, was die Ursache ist. An der Stimme der Ärztin kann ich es hören, es gibt keine Rettung für meinen Engel. Sie sagt: Ein handballgroßer Tumor hat sich um die Aorta der Niere gebildet und jeder Versuch ihn zu entfernen würde dazu führen, dass Safi verbluten würde. Sie würde sie sofort einschlafen lassen. In mir schreit alles: NEIN! Das will ich auf gar keinen Fall und so entscheiden mein Mann und ich, den Hund aufwachen zu lassen, damit wir uns verabschieden können. Eigentlich wollen wir sie mit Heim nehmen, um uns Zeit zu geben. Mit dieser Einstellung fahren wir wieder nach München. Als sie uns gebracht wird und sie uns sieht, freut sie sich so dermaßen, dass es mir die Luft zum Atmen nimmt. Der Schnitt im Bauch ist riesengroß und dennoch wedelt ihre Rute vor Freude auf und ab. Ihr seid da! Ja, wir sind da. Wir würden dich niemals alleine diesen Weg gehen lassen. Die Ärztin kommt noch einmal, spricht ihre Worte, legt eine Infusion und überlässt uns die Entscheidung, was wir tun möchten. Gerne will sie uns den Hund nicht mitgeben, aber natürlich wird sie es tun. Dann die ersten Silvesterkracher draußen vor der Klinik. Safis panischer Blick, kaum fähig sich zu bewegen, und dann ist es klar. Nein, wir tun es ihr nicht an, das hat sie nicht verdient und irgendwie erscheint es uns auch nicht fair, denn scheinbar wollte sie ohne großes Leiden die Erde verlassen. Wie paralysiert nehmen wir uns alle Zeit der Welt und lassen sie gehen. Sie ist einverstanden, und Ja, es ist ihr Weg. Scheinbar ist auch der Zeitpunkt von ihr bestimmt, und ehrlich gesagt wusste ich es schon immer, dass sie von jetzt auf gleich gehen würde, ohne großes drumherum, ohne große Leidensgeschichte. Sie war kein Hund der Schmerzen, des Ausharrens, sie war Freude pur und da hätte es auch nicht gepasst, einen großen Krankheitsverlauf daraus zu machen. Von daher war es richtig, genau so, wie es war. Zumindest für sie.

Für uns fing das Schlimmste aber jetzt erst an, wenn wir Zuhause ankommen und niemand mehr da ist der uns begrüßt..

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